Entnahmestrategien im Vergleich
- Es gibt nicht die eine beste Entnahmestrategie. Jede ist ein Kompromiss zwischen planbarem Einkommen, niedrigem Pleiterisiko und hohem Entnahmeniveau. Alle drei zugleich gibt es nur mit mehr Vermögen.
- Sechs Ansätze sind gebräuchlich: die fixe Entnahme (4%-Regel), die prozentuale Entnahme, Guyton-Klinger-Leitplanken, Leitplanken Flex (Dynamic Spending), der variable Prozent-Anteil (VPW) und der Fallschirm (Kasse für die ersten Rentenjahre), in Vermögenskurve eine Strategie für sich.
- Starre Regeln sind blind: Sie entnehmen im Crash unverändert weiter. Im Beispielplan unten hält die fixe Entnahme in 92 Prozent aller historischen Fenster bis zum Planende durch. In 8 von 100 läuft das Depot vorher leer. Die vier regelbasierten Strategien kommen auf 100 Prozent.
- Gleiches Ziel, fast gleiches Niveau: Bei identischem Ziel-Endvermögen von 1 Mio. € real liegen auf demselben Krisenfenster fünf der sechs Strategien im Schnitt zwischen 4.130 und 4.344 € im Monat (Fixbetrag 4.130 €). Sie unterscheiden sich im Weg, nicht im Niveau: Leitplanken starten mit 5.443 € und kürzen bis auf 3.138 €, der Fixbetrag zahlt 27 Jahre lang 4.130 €.
- Welche Strategie zu Dir passt, entscheidet weniger die Rendite als Dein Grundbedarf: Je größer der Anteil der Fixkosten, den das Depot tragen muss, desto weniger Schwankung verträgt Dein Plan.
Die kurze Antwort: Sind Deine Fixkosten weitgehend durch gesetzliche Rente und andere garantierte Ströme gedeckt, kannst Du Schwankung aushalten. Prozentuale Entnahme oder VPW holen dann mehr aus dem Depot heraus. Muss das Depot einen großen Teil der Fixkosten tragen, zählt Stabilität: Leitplanken, klassisch oder Flex, eine konservativ angesetzte Wunsch-Entnahme und notfalls ein Fallschirm. Weil keine Regel im Voraus weiß, welches Jahrzehnt kommt, ist die ehrlichste Prüfung nicht die Theorie, sondern der Durchlauf durch echte Marktgeschichte. Die beiden Bilder weiter unten zeigen genau das.
Der Zielkonflikt hinter jeder Strategie
Jede Entnahmestrategie beantwortet dieselbe Frage anders: Wie viel darf ich dieses Jahr entnehmen? Und jede Antwort ist ein Kompromiss zwischen drei Zielen, die sich nicht gleichzeitig maximieren lassen: ein konstantes Einkommen, ein niedriges Pleiterisiko und ein hohes Entnahmeniveau. Wer alle drei will, braucht mehr Vermögen oder Flexibilität.
1 · Fixe Entnahme: die 4%-Regel
Der Klassiker: Im ersten Jahr 4 Prozent des Startvermögens entnehmen, danach jedes Jahr denselben Betrag plus Inflationsausgleich, egal, was der Markt macht. In den historischen US-Daten überstand das meist 30 Jahre.
Stärke: maximal planbar, das Einkommen ist wie ein Gehalt. Schwäche: Die Regel ist blind. Sie entnimmt im Crash-Jahr stur weiter und ist damit voll dem Renditereihenfolge-Risiko ausgesetzt. Außerdem stammt sie aus US-Daten ohne deutsche Steuern. Für deutsche Verhältnisse ist sie eher Obergrenze als Empfehlung.
2 · Prozentuale Entnahme
Jedes Jahr ein fester Prozentsatz des aktuellen Depotwerts. Das Depot kann rechnerisch nie ganz leer werden, aber Dein Einkommen schwankt mit dem Markt: Nach einem 40-Prozent-Crash sinkt auch Deine Entnahme um 40 Prozent.
Stärke: praktisch pleitesicher. Schwäche: Ein Einkommen, das im schlechtesten Moment am kleinsten ist, taugt nur, wenn die Fixkosten anderweitig gedeckt sind.
3 · Guyton-Klinger: Leitplanken
Der Mittelweg. Du startest mit einer Wunsch-Entnahme, und zwei Leitplanken überwachen die laufende Entnahmequote: Läuft sie zu weit nach oben (das Depot schrumpft schneller als geplant), wird die Entnahme um rund 10 Prozent gekürzt. Läuft sie weit nach unten (das Depot wächst dem Plan davon), gibt es eine Erhöhung. Dazwischen: Inflationsausgleich wie gewohnt.
Stärke: deutlich höhere sichere Start-Entnahmen als die starre Regel, weil das System auf Krisen reagiert. Schwäche: Kürzungen kommen ausgerechnet in schlechten Börsenjahren. Das muss der Haushaltsplan aushalten können.
Die Startquote, an der beide Leitplanken hängen, wird einmal festgelegt: am Ende des ersten Rentenjahres, nachdem Einmalzuflüsse dieses Jahres (etwa ein Verkaufserlös) im Depot sind. Spätere Zuflüsse wie eine Erbschaft verankern nicht neu; sie senken die laufende Quote und lösen so höchstens die vorsichtige Aufstockung aus.
4 · Leitplanken Flex: Dynamic Spending
Die zweite Leitplanken-Variante, bekannt aus der Vanguard-Forschung („Dynamic Spending“). Statt seltener, deutlicher Korrekturen folgt die Entnahme dem Portfolio jedes Jahr in kleinen Schritten: Das Jahresziel wird neu vom aktuellen Depotwert abgeleitet, darf sich gegenüber dem Vorjahr aber real höchstens um eine Obergrenze erhöhen (zum Beispiel +5 Prozent) und höchstens um eine Untergrenze verringern (zum Beispiel −2,5 Prozent). Beide Grenzen stellst Du selbst ein.
Stärke: reagiert früher und sanfter als die klassischen Leitplanken: viele kleine Anpassungen statt weniger harter Kürzungen; in schwierigen Jahrgängen kann genau das den Unterschied machen, ob ein Plan bis zum Ende trägt. Schwäche: Das Einkommen ist nicht mehr fix. Es atmet jedes Jahr ein Stück mit dem Markt, auch in ruhigen Zeiten.
5 · VPW: Variabler Prozent-Anteil
Variable Percentage Withdrawal berechnet die Entnahmequote jedes Jahr neu aus Restlebenserwartung und erwarteter Rendite, mathematisch wie eine selbstgebaute Rente, die das Vermögen planvoll bis zum Planende aufbraucht. Die Quote steigt mit dem Alter.
Stärke: nutzt das Vermögen konsequent aus, statt aus Angst zu wenig zu entnehmen; kein „reich sterben aus Versehen". Schwäche: Das Einkommen schwankt mit dem Markt, und wer deutlich älter wird als geplant, braucht einen Puffer oder garantierte Ströme.
6 · Fallschirm: der Puffer in der Kasse
In Vermögenskurve eine Strategie für sich, die sich nicht mit den anderen kombinieren lässt: Die Entnahme läuft fest wie beim Fixbetrag, aber drei bis zehn Jahresbedarfe liegen in der Kasse (Tagesgeld, Geldmarkt) und speisen die ersten Rentenjahre, das Depot bleibt so lange unangetastet. In Vermögenskurve wird der Fallschirm einmal zum Rentenbeginn gebildet (aus dem Depot oder aus einem Verkaufserlös), verzinst sich wie Tagesgeld (die Zinsen werden jedes Jahr mit Abgeltungssteuer belastet) und wird aufgebraucht; ein Nachfüllen gibt es nicht.
Stärke: entschärft gezielt die gefährlichen ersten Rentenjahre. Schwäche: Der Puffer ist eine Versicherung mit Prämie: in normalen Jahren kostet er Rendite, weil das geparkte Kapital nur den Geldmarktzins verdient.
Sechs Strategien, ein Plan: was die Zahlen sagen
Theorie hilft beim Sortieren; entscheiden lässt sich damit nicht. Deshalb hier derselbe Beispielplan, sechsmal gerechnet, auf 55 Jahren deutscher Marktdaten, alle Werte real, also in heutiger Kaufkraft.
Der Plan: Rente mit 63, Planende mit 90, Wunsch-Entnahme 5.500 € im Monat, unverzichtbarer Grundbedarf 3.000 € im Monat. Gezeigt werden alle sechs auf demselben historischen Fenster: dem 5%-Szenario des Plans, Start Ende 1971, mit der Ölkrise und der Inflation der 1970er in den ersten Rentenjahren. Das Fenster wird strategie-neutral gewählt, mit einem festen Betrag in Höhe der ersten Entnahme als Maßstab. So sehen alle sechs denselben Marktverlauf, und die Unterschiede kommen allein aus der Strategie.
Erste Frage: gleiche Start-Entnahme: wie hält das Einkommen?
Alle sechs starten bei 5.500 € im Monat. Was danach passiert, ist der ganze Unterschied:
- Fixbetrag (die Planung selbst): 5.500 € bis zum Alter 85. Mit 86 ist das Depot leer. Danach bleibt nur, was garantiert fließt: 867 € im Monat, fünf Jahre unter dem Grundbedarf. Der größte Jahressturz beträgt −61,8 Prozent.
- Leitplanken: 5.500 € in den ersten beiden Jahren, dann fünf Kürzungen bis auf 3.171 € mit 70: jeweils die 10 Prozent der Regel, dazu entfällt nach Verlustjahren der Inflationsausgleich, real bis zu −16,0 Prozent in einem Jahr. Drei Jahre auf diesem Niveau, dann ab 73 acht Aufstockungen um je 5 Prozent bis auf 4.684 €, eine neunte mit 90. Im Schnitt 4.275 €, kein einziges Jahr unter dem Grundbedarf, am Planende bleiben 957.000 € übrig. Die Regel hat in der Krise hart gekürzt und das Depot damit durch die 1970er gebracht.
- Leitplanken Flex: 3.406 bis 5.500 €, Schritte von höchstens +5 und −2,5 Prozent im Jahr. Viele kleine Schritte statt harter Stufen: Die Entnahme gleitet 14 Jahre lang um je 2,5 Prozent bis auf 3.859 € mit 77, steigt in der Erholung auf 4.254 € und sinkt bis 90 auf 3.406 €, ohne den Grundbedarf je zu berühren. Im Schnitt 4.287 €, am Planende bleiben 648.000 € übrig: deutlich weniger als bei den Leitplanken, weil die kleinen Schritte in den Crash-Jahren mehr entnehmen.
- Fallschirm: hält die 5.500 € drei Jahre länger durch als der Fixbetrag, bis 88. Mit 89 ist das Depot leer, danach bleiben 866 €, zwei Jahre unter dem Grundbedarf. Im Schnitt 5.200 statt 4.717 € im Monat, die Pleitefrei-Quote liegt mit 93 statt 92 Prozent nur einen Punkt höher. Die verzinste Kasse verschiebt den Absturz, verhindern kann sie ihn bei dieser Wunsch-Entnahme nicht: Das Depot läuft ohnehin am Limit. Bei einer niedriger angesetzten Wunsch-Entnahme kann das Bild kippen.
- Prozentual: 3.000 bis 6.081 €, drei Jahre auf dem Grundbedarf: Die Entnahme folgt dem Depot nach unten wie nach oben, am Planende bleiben 945.000 € übrig, fast so viel wie bei den Leitplanken.
- Variabler % Anteil (VPW): das höchste Durchschnittseinkommen (5.987 €), aber auch die größte Spanne: zwei Jahre auf dem Grundbedarf von 3.000 €, in der Spitze 11.036 € mit 89, und das Depot ist am Planende planmäßig fast aufgebraucht.
Die strategieübergreifend vergleichbare Zahl steht rechts: Pleitefrei über alle historischen Fenster. Fixbetrag 92 und Fallschirm 93 Prozent, alle vier regelbasierten Strategien 100 Prozent. Daneben das tiefste Monatseinkommen, das jede Strategie in irgendeinem Fenster hatte: 863 € bei Fixbetrag und Fallschirm, 3.000 € bei den vier anderen, weil deren Regeln am Grundbedarf stoppen. Der Unterschied liegt nicht im Glück des Fensters, alle sechs sehen denselben Marktverlauf. Er liegt darin, dass vier Strategien reagieren können und zwei nicht.
Zweite Frage: gleiches Endvermögen: wie viel Einkommen ist drin?
Die Umkehrung ist die ehrlichere Frage, weil sie den Preis der Planbarkeit sichtbar macht. Alle sechs Strategien werden jetzt so eingestellt, dass am Planende dasselbe übrig bleibt: 1 Mio. € real. Wer darf dafür wie viel entnehmen? Das Ziel liegt bewusst hoch. Auf einem Krisenfenster zwingt ein kleines Ziel die flexiblen Strategien zu einem künstlich hohen Start, weil ihre Regeln das Depot in der Krise schonen und das kleine Ziel sonst nur mit einer Entnahme weit über jedem vernünftigen Maß zu treffen wäre. Das wäre ein Rechenartefakt, kein Plan.
- Fixbetrag: 4.130 € im Monat, konstant von 63 bis 90.
- Leitplanken: 5.443 € zum Start, im Schnitt 4.231 €, Band 3.138 bis 5.443 €, größte Kürzung real −16,0 Prozent.
- Leitplanken Flex: 4.570 € zum Start, im Schnitt 4.173 €, Band 3.484 bis 4.829 €, größte Kürzung −2,5 Prozent: der glatteste Pfad, im Mittel knapp über dem Fixbetrag.
- Fallschirm: 4.333 € konstant, rund 5 Prozent mehr als der Fixbetrag: Die verzinste Kasse trägt die ersten Rentenjahre, das Depot muss in den schlechten Startjahren nichts verkaufen.
- Prozentual: im Schnitt 4.344 €, Band 3.000 bis 6.027 €, vier Jahre auf dem Grundbedarf; die Start-Entnahme von 5.500 € landet auf diesem Fenster ohnehin bei knapp 1 Mio. €.
- Variabler % Anteil: im Schnitt 4.693 €, das höchste Niveau, dafür acht Jahre auf dem Grundbedarf und ein Band von 3.000 bis 7.879 €.
Das ist die Rechnung hinter dem Satz Flexibilität ist bezahlte Sicherheit, nicht bezahltes Einkommen: Auf demselben Fenster und bei gleichem Erbe liegen Fixbetrag, Leitplanken, Flex, Fallschirm und Prozentual im Schnitt nur rund 200 € auseinander. In der Spalte Plannutzen (die Summe allen verfügbaren Einkommens plus Endvermögen) stehen 3,73 bis 3,80 Mio. €, VPW 3,92. Was Flexibilität kauft, zeigt die erste Frage: Bei einer zu hohen Wunsch-Entnahme läuft der Fixbetrag in 8 von 100 Fenstern leer, die vier Regeln nie. Der Preis steht in der Spalte daneben: Die Entnahme kann in einem einzelnen Jahr real sinken, bei den Leitplanken in diesem Fenster um 16,0 Prozent.
Entnahme auf Zielrestwert: was der Ziel-Modus rechnet. Wer ein Endvermögen vorgibt („bis 90 sollen 100.000 € Pflegereserve übrig sein“), lässt den Vergleich für jede Strategie das Einkommen suchen, das genau dort landet. In der Fachliteratur heißt dieses Prinzip ARVA: jährlich neu berechnete Annuität auf einen Zielrestwert (Waring/Siegel 2015). Der Ziel-Modus ist damit die Antwort auf die zweite große Sorge neben der Pleite: das ungewollt zu große Erbe.
Und die Einschränkung gehört dazu: Das ist ein Beispielplan, kein Ranking. Ein anderer Plan mit mehr garantierten Renten, einem früheren Rentenbeginn oder einem niedrigeren Grundbedarf verschiebt die Reihenfolge. Genau deshalb rechnet der Strategie-Vergleich in der App auf Deinem Plan und nicht auf einem Musterhaushalt.
Welche passt zu Dir?
- Fixkosten fast vollständig durch Rente und garantierte Ströme gedeckt? Dann kannst Du Dir Schwankung leisten: prozentual oder VPW holen mehr aus dem Depot.
- Das Depot muss einen großen Teil der Fixkosten tragen? Dann zählt Stabilität: Leitplanken (klassisch oder Flex) oder der Fallschirm, und die Wunsch-Entnahme eher konservativ ansetzen.
- In jedem Fall gilt: Definiere zuerst Deinen unverzichtbaren Grundbedarf. Er entscheidet, wie viel Kürzung eine flexible Strategie überhaupt verkraften darf, und damit, wie hoch Deine Zahl sein muss.
Am Ende schlägt keine Strategie den Test gegen echte Geschichte: Dieselbe Wunsch-Entnahme, einmal starr und einmal mit Leitplanken oder Fallschirm gerechnet, zeigt über historische Krisenjahrgänge oft den Unterschied zwischen einem Depot, das mit 85 leer ist, und einem Plan, der trägt.
Einmal im Jahr: der Entnahme-Check
Und egal, welche Strategie Du wählst: Keine davon ist ein Autopilot. Prüfe einmal im Jahr, wo Du stehst (aktuelle Entnahme, Depotstand und der Korridor des kommenden Jahres), und halte fest, was Du tatsächlich entnimmst. In Vermögenskurve übernimmt das der jährliche Entnahme-Check: Wunsch-Einkommen, verfügbares Einkommen und Korridor, nominal und real, mit Historie der festgeschriebenen Jahre.
Häufige Fragen
Welche Entnahmestrategie ist die beste?
Keine ist für alle die beste: die Frage lässt sich nur mit dem eigenen Plan beantworten. Wer viel garantiertes Einkommen hat, verträgt Schwankung und fährt mit prozentualer Entnahme oder VPW mehr Einkommen ein. Wer die Fixkosten überwiegend aus dem Depot bestreitet, braucht Stabilität und ist mit Leitplanken besser bedient. Der belastbare Test ist immer derselbe: dieselbe Planung, sechsmal gerechnet, gegen echte Marktgeschichte.
Funktioniert die 4%-Regel auch in Deutschland?
Nur als grobe Orientierung. Sie stammt aus US-Daten, kennt weder Abgeltungsteuer noch deutsche Renteneinkünfte und unterstellt eine starre Entnahme über 30 Jahre. Für deutsche Verhältnisse ist sie eher eine Obergrenze als eine Empfehlung, und in einem Plan mit langer Rentenphase kann schon ein schlechter Start sie kippen.
Was ist der Unterschied zwischen Leitplanken und Leitplanken Flex?
Beide reagieren auf den Markt, aber in unterschiedlichem Takt. Die klassischen Guyton-Klinger-Leitplanken greifen selten und dafür deutlich: Erst wenn die Entnahmequote aus dem Korridor läuft, wird um rund 10 Prozent gekürzt oder erhöht. Leitplanken Flex passt das Jahresziel jedes Jahr in kleinen Schritten an, begrenzt durch eine Ober- und eine Untergrenze, die Du selbst setzt. Grob gesagt: seltene harte Schnitte gegen viele kleine Korrekturen. Der ausführliche Vergleich mit Zahlen steht im eigenen Artikel.
Wie viel Einkommen kostet Planbarkeit?
Im Beispielplan dieses Artikels erstaunlich wenig, sobald alle Strategien auf demselben Fenster rechnen: Bei identischem Ziel-Endvermögen von 1 Mio. € erlaubt die fixe Entnahme 4.130 € im Monat, die Leitplanken im Schnitt 4.231 € (5.443 € zum Start, 3.138 € im Tief), der Fallschirm 4.333 € konstant. Planbarkeit kostet hier gut 2 Prozent Einkommen. Was sie nicht kaufen kann, ist Schutz vor dem Leerlaufen bei einer zu hohen Wunsch-Entnahme: Das zeigt die erste Frage.
Lohnt sich ein Fallschirm?
Er ist gezielt gegen die gefährlichen ersten Rentenjahre gedacht und kostet in normalen Jahren Rendite, weil das geparkte Geld nur den Geldmarktzins verdient. Im Beispielplan ist er bei gleicher Start-Entnahme eine Fußnote (Pleitefrei-Quote 93 statt 92 Prozent, das Depot reicht drei Jahre länger), bei gleichem Ziel-Endvermögen bringt er rund 5 Prozent mehr Einkommen (4.333 statt 4.130 €). Ob er sich in Deinem Plan rechnet, hängt an Wunsch-Entnahme, Aktienquote und den Jahren um den Rentenstart. Das ist genau die Frage, die man durchrechnen und nicht glauben sollte.
Wie oft sollte ich meine Entnahmestrategie überprüfen?
Einmal im Jahr reicht, und öfter ist meist schädlich. Wichtig sind drei Zahlen: die tatsächliche Entnahme des vergangenen Jahres, der aktuelle Depotstand und der Korridor für das kommende Jahr. Wer das jährlich festhält, sieht Abweichungen früh genug, um mit kleinen Korrekturen auszukommen.
Zum Weiterlesen
Quellen und Grundlagen
- Bengen, W. P. (1994): Determining Withdrawal Rates Using Historical Data, Journal of Financial Planning. Fixe, inflationsindexierte Entnahme (4%-Regel).
- Guyton, J. & Klinger, W. (2006): Decision Rules and Maximum Initial Withdrawal Rates, Journal of Financial Planning. Leitplanken (Guardrails).
- Vanguard Research (Jaconetti et al., 2015, aktualisiert 2020): From assets to income: a goals-based approach to retirement spending. Dynamic Spending (Leitplanken Flex).
- Bogleheads-Wiki: Variable percentage withdrawal (VPW). Entnahme als Annuitätenanteil über den Resthorizont.
- Waring, M. B. & Siegel, L. B. (2015): The Only Spending Rule Article You Will Ever Need, Financial Analysts Journal. Jährlich neu berechnete Annuität auf Zielrestwert (ARVA).
- Stiftung Warentest / Finanztest: Simulation von Entnahmestrategien über historische Kurs- und Zinsverläufe (Vergleichslogik Strategie × Portfolio).
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