Vermögenskurve

Feste Rendite oder echte Marktgeschichte: Warum Basis rechnet und erst Pro plant

Sechs Prozent Rendite, zwei Prozent Inflation, jedes Jahr gleich: so rechnet Basis. Die Börse hat noch nie ein Jahr so gerechnet. Was der Unterschied für Deinen Plan bedeutet, an einem Beispiel mit echten Zahlen.
Von Andreas von Vermögenskurve, seit über 20 Jahren in der Asset-Management-Branche
Stand: Oktober 2026 · Lesezeit ca. 10 Min. · Alle Artikel
Das Wichtigste in Kürze
  • Basis ist eine Einzelpfad-Projektion: eine feste Rendite je Anlageklasse, eine feste Inflation, jedes Jahr gleich. Er ist kostenlos, braucht kein Konto und beantwortet die Frage nach der Größenordnung.
  • Pro lässt denselben Plan durch jedes Startquartal seit 1971 laufen: über 100 historische Fenster mit echten Renditen, echter Inflation und echter Reihenfolge. Er beantwortet die Frage, ob der Plan trägt.
  • Unser Beispielplan sieht in Basis gut aus: Das Depot reicht über 90 hinaus, es bleiben 143.000 €. In der Marktgeschichte trägt er in 95 von 106 Startjahren. In jedem zehnten läuft das Depot vor dem Planende leer, im schlechtesten Fall mit 78.
  • Der Unterschied liegt nicht in der Höhe der Rendite, sondern in ihrer Reihenfolge. Eine feste Rendite kann keine Reihenfolge haben. Deshalb kann sie dieses Risiko nicht zeigen, egal wie vorsichtig sie gewählt ist. Und mit der Reihenfolge werden auch Vorabpauschale, Gewinnanteil, Rebalancing-Steuer und Krankenversicherung pfadabhängig: Basis vereinfacht sie, Pro rechnet sie Jahr für Jahr.
  • Belastbar ist ein Plan, der die schlechten Fenster kennt und eine Antwort darauf hat: Kasse für die ersten Jahre, eine Entnahmeregel, ein späterer Start. Alles davon lässt sich in Pro durchrechnen, in Basis nicht.

Die kurze Antwort: Basis rechnet Deinen Plan mit einer Rendite, die es an der Börse nie gegeben hat: dem Durchschnitt. Das ist nützlich, um eine Größenordnung zu finden. Es ist nicht nützlich, um zu wissen, ob Dein Geld reicht. Denn ob ein Entnahmeplan trägt, entscheidet nicht der Durchschnitt der Jahre, sondern ihre Reihenfolge. Pro rechnet diese Reihenfolge: 106-mal, für jedes Startquartal seit 1971.

Was Basis rechnet

In Basis gibst Du Deine Anlageklassen ein, und Vermögenskurve legt für jede eine feste jährliche Rendite an; die Vorgabe ist der historische Mittelwert, Du kannst auch eine eigene Annahme wählen. Dazu kommt eine feste Inflation von zwei Prozent. Aus beidem entsteht ein einziger Pfad: Das Depot wächst jedes Jahr um denselben Prozentsatz, die Entnahme steigt jedes Jahr um dieselbe Inflation. Steuern, Rentenströme, Immobilien, Kredite und Krankenversicherung rechnet Basis vollständig mit; das Steuermodell ist in beiden Modi dasselbe (So rechnen wir).

Das Ergebnis ist eine Kurve ohne Zacken. Sie zeigt Dir sofort, wo Du stehst: ob die Rentenlücke zu Deinem Depot passt, ob die Sparrate reicht, wie sich ein Jahr später oder früher auswirkt. Für diese Fragen ist ein glatter Pfad genau richtig: Deine Zahl findest Du damit in fünf Minuten.

Was der glatte Pfad nicht kann: schwanken. Und weil er nicht schwankt, kennt er auch keine Reihenfolge: kein schlechtes erstes Jahr, keine Inflationsspitze, keine drei Verlustjahre am Stück. Genau das aber ist die Wirklichkeit, in der ein Entnahmeplan bestehen muss.

Warum der Durchschnitt in der Entnahmephase täuscht

Solange Du sparst, ist der Durchschnitt ein brauchbarer Freund. Ein schlechtes Jahr am Anfang kauft Dir günstige Anteile, ein gutes Jahr am Ende hebt alles an; über zwanzig Jahre mittelt sich die Reihenfolge weitgehend aus. In der Entnahmephase kehrt sich das um: Du verkaufst jedes Jahr Anteile. Fällt der Markt in den ersten Jahren, verkaufst Du viele Anteile billig, und diese Anteile fehlen später, wenn der Markt sich erholt. Zwei Pläne mit derselben Durchschnittsrendite über 27 Jahre können deshalb völlig verschieden enden: Der eine hat die Verlustjahre am Ende, der andere am Anfang.

Dieses Renditereihenfolge-Risiko ist keine Randnotiz, sondern das Hauptrisiko der Entnahmephase. Eine feste Rendite kann es nicht abbilden: nicht, weil sie zu hoch wäre, sondern weil sie keine Reihenfolge hat. Eine vorsichtigere Annahme, etwa vier statt sechs Prozent, schiebt den ganzen Pfad nach unten, bleibt aber genauso glatt. Sie macht den Plan pessimistischer, nicht belastbarer.

Auch die Steuern sind in der Wirklichkeit unruhiger

Basis und Pro rechnen mit demselben deutschen Steuermodell: Abgeltungsteuer mit Teilfreistellung, Vorabpauschale, progressive Einkommensteuer auf Renten, Krankenversicherung. Der Unterschied liegt nicht im Modell, sondern in der Welt, auf die es trifft. In einer Welt mit sechs Prozent jedes Jahr sind Steuern eine ruhige Sache: Die Vorabpauschale fällt Jahr für Jahr in ähnlicher Höhe an, der Gewinnanteil jeder Entnahme wächst gleichmäßig, das Rebalancing verschiebt jedes Quartal ein bisschen. In der echten Marktgeschichte wird jede dieser Größen pfadabhängig:

  • Vorabpauschale: Sie entsteht nur in Jahren mit Wertzuwachs und ist auf den tatsächlichen Zuwachs gedeckelt. In Verlustjahren fällt sie aus; dafür sind die Gewinne, die später beim Verkauf versteuert werden, anders verteilt. Ein glatter Pfad kennt keine Verlustjahre und damit auch nicht diesen Wechsel.
  • Gewinnanteil der Entnahmen: Wer nach einem Crash Anteile verkauft, verkauft Anteile mit weniger Gewinn: die Steuer je Euro Entnahme sinkt, aber es müssen mehr Anteile weg. Nach einem Boom ist es umgekehrt. In Basis ist der Gewinnanteil eine sanft steigende Kurve; in Pro folgt er dem Fenster, und mit ihm die Abgeltungsteuer und die Krankenversicherungsbeiträge, die auf denselben Gewinnen erhoben werden.
  • Rebalancing: Basis setzt die Zielgewichte vereinfacht jedes Quartal und ohne Steuerwirkung zurück. In Pro wählst Du den Takt (jährlich, alle zwei, drei oder fünf Jahre, nach der 5/25-Regel oder gar nicht), und jeder Verkauf beim Umschichten löst die Steuer auf die realisierten Gewinne aus. Das ist ein echter Kostenblock, den ein glatter Pfad nicht zeigen kann, weil es in ihm nichts umzuschichten gibt.
  • Einkommensteuer: Rente, Betriebsrente und Mieten laufen durch den progressiven Tarif; ihre Höhe hängt in Pro an der Inflation des jeweiligen Fensters. Zwei Fenster mit derselben Durchschnittsinflation können deshalb unterschiedlich viel Steuer kosten, je nachdem, wann die Inflationsspitze kam.

Keiner dieser Effekte ist für sich allein groß. Zusammen und in der falschen Reihenfolge machen sie den Unterschied zwischen einem Plan, der auf dem Papier trägt, und einem, der es auch in den Jahren 1973 oder 2008 getan hätte. Wie das Modell im Einzelnen rechnet, steht in So rechnen wir.

Ein Plan, zwei Antworten

Nehmen wir Sabine, 58. Sie hat 600.000 € im Depot, verteilt auf 70 Prozent Welt-Aktien, 20 Prozent Anleihen und 10 Prozent Kasse, mit jährlichem Rebalancing nach der 5/25-Regel. Sie will mit 63 aufhören. Ihre gesetzliche Rente von 1.600 € beginnt mit 67; bis dahin trägt das Depot allein, inklusive der Krankenversicherung, die sie als freiwillig Versicherte selbst zahlt (Krankenversicherung zwischen Job und Rente). Ihr Wunscheinkommen: 4.000 € im Monat in heutiger Kaufkraft, ihr Grundbedarf 2.600 €. Planende: 90.

Basis (6% Rendite, 2% Inflation, jedes Jahr gleich): Das Depot steht mit 63 bei 865.000 €, trägt die vier Brückenjahre und danach die Lücke neben der Rente. Es wird nie leer. Mit 90 bleiben 143.000 € übrig, in heutiger Kaufkraft rund 74.000 €. Die Antwort lautet: Es reicht.
Pro (derselbe Plan, 106 Startquartale seit 1971): In 95 von 106 Fenstern trägt das Depot bis zum Planende: 90 Prozent. In elf Fenstern läuft es vorher leer, das früheste mit 78, zwölf Jahre vor dem Planende. Das mittlere Fenster endet mit rund 680.000 € in heutiger Kaufkraft; das 10-Prozent-Fenster kommt mit leerem Depot gerade bis 90, das 5-Prozent-Fenster läuft mit 80 leer. Der Grundbedarf von 2.600 € ist in 91 Prozent der Fenster bis zum Ende gedeckt. Die Antwort lautet: Meistens reicht es, und in jedem zehnten Startjahr nicht.

Beide Antworten kommen aus demselben Plan, denselben Eingaben, demselben Steuermodell. Der einzige Unterschied: Basis rechnet mit einer Rendite, die es nie gab. Pro rechnet mit den Renditen, die es gab, in der Reihenfolge, in der es sie gab.

Das schlechteste Fenster: Anfang der 1970er

Das Fenster, in dem Sabines Depot am frühesten leer läuft, beginnt Anfang 1973. Gleich die ersten beiden Rentenjahre sind Verlustjahre mit −19 und −23 Prozent, bei einer Inflation von 7,9 und 5,7 Prozent. Ihre Entnahme steigt mit der Inflation, das Depot fällt von 830.000 auf 364.000 € in heutiger Kaufkraft, und die vier Brückenjahre ohne Rente treffen genau in diese Phase. Danach kommen gute Jahre, sogar sehr gute: +34 Prozent gleich im dritten Jahr, später +32 und +29. Sie helfen nicht mehr. Die Anteile, die sie in den schlechten Jahren verkaufen musste, sind weg; mit 78 ist das Depot leer.

Über den ganzen Zeitraum liegt die Durchschnittsrendite dieses Fensters nicht weit unter der aus Basis. Das ist der ganze Punkt: Nicht die Höhe war das Problem, sondern die Reihenfolge, und die kann kein Durchschnitt zeigen.

Warum eine Verteilung mehr wert ist als eine Zahl

Basis gibt Dir eine Zahl: 143.000 € Endvermögen. Pro gibt Dir eine Verteilung: 95 von 106, das früheste Leerlaufen mit 78, der Median bei 680.000 €. Eine Zahl kann nur richtig oder falsch sein, und Du erfährst erst mit 78, welches. Eine Verteilung sagt Dir heute, wo die Klippe liegt, und gibt Dir die Möglichkeit, sie zu umgehen.

Wir nennen das belastbar, nicht sicher. Sicher wäre ein Versprechen, das niemand halten kann. Belastbar heißt: Der Plan hat 55 Jahre Marktgeschichte gesehen (Ölkrise, Dotcom-Crash, Finanzkrise, die Inflationsjahre), und Du weißt, in welchen davon er hält und in welchen nicht. Das ist der Maßstab, an dem wir jeden Plan messen (Monte Carlo oder historische Szenarien).

Was Du mit dem Wissen anfängst

Der Wert der schlechten Fenster liegt darin, dass Du sie vorher siehst. Für Sabine gibt es drei Hebel, die sich alle in Pro durchrechnen lassen, und in Basis nicht, weil Basis das Problem nicht kennt:

  • Eine Kasse für die ersten Jahre. Wer die Brückenjahre und die ersten Rentenjahre aus einem Kassenpuffer bestreitet, verkauft in einem Crash keine Aktien. Der Fallschirm im Strategie-Vergleich rechnet genau das: Wie groß muss der Puffer sein, damit das schlechteste Fenster trägt?
  • Eine Regel statt einer festen Entnahme. Leitplanken oder Flex kürzen die Entnahme in schlechten Jahren um einen definierten Schritt und geben in guten wieder frei. Der Strategie-Vergleich zeigt, wie viel Kürzung nötig ist, damit die elf schlechten Fenster zu null werden, und was das im mittleren Fenster kostet (Entnahmestrategien im Vergleich).
  • Ein Jahr später. Ein Jahr mehr Gehalt ist ein Jahr weniger Entnahme und ein Jahr mehr Rendite: oft der stärkste Hebel, und in Basis nur als glatte Verschiebung sichtbar.

Welcher Hebel zu Dir passt, entscheidest Du. Was Pro Dir dafür gibt, ist die Grundlage: nicht eine Zahl, die gut aussieht, sondern die Verteilung, die zeigt, wo sie nicht stimmt.

Wann Basis genügt, und wann nicht

Basis genügt, wenn Du eine Größenordnung suchst: Wie groß ist meine Lücke, reicht meine Sparrate, was ändert ein Jahr früher? Es genügt auch, solange Dein Rentenstart noch weit weg ist: in der Ansparphase mittelt sich die Reihenfolge weitgehend aus. Basis genügt nicht, wenn Du entscheiden willst, ob Du mit 63 aufhören kannst. Diese Entscheidung hängt an den schlechten Fenstern, und die zeigt nur die Marktgeschichte.

Deshalb ist der Unterschied zwischen Basis und Pro bei uns nicht die Zahl der Funktionen, sondern die Belastbarkeit der Antwort. Basis rechnet. Pro plant.

Häufige Fragen

Ist Basis falsch?

Nein, er ist ehrlich benannt: eine Einzelpfad-Projektion mit konstanten Annahmen. Für die Frage „Wie groß ist meine Rentenlücke, und in welcher Größenordnung liegt meine Zahl?“ reicht er. Er kann nur eine Frage nicht beantworten: was passiert, wenn die Reihenfolge der Jahre anders läuft als der Durchschnitt, und genau diese Frage entscheidet, ob ein Entnahmeplan trägt.

Warum nicht einfach eine niedrigere Rendite in Basis einstellen?

Weil eine niedrigere Durchschnittsrendite nur den Pfad nach unten schiebt, aber weiterhin jedes Jahr gleich verläuft. Das Risiko der Entnahmephase liegt nicht in der Höhe des Durchschnitts, sondern in der Reihenfolge: Zwei Verlustjahre am Anfang mit 7 Prozent Inflation richten mehr an als ein halber Prozentpunkt weniger über 27 Jahre. Eine feste Rendite kann diese Reihenfolge nicht darstellen, egal wie vorsichtig sie gewählt ist.

Was genau rechnet Pro anders?

Denselben Plan mit denselben Eingaben; nur läuft er nicht mit einer festen Rendite, sondern nacheinander durch jedes Startquartal seit 1971 (deutsche Daten) oder seit 1871 (US-Daten): mit den echten Renditen je Anlageklasse, der echten Inflation und der echten Reihenfolge dieser Jahre. Das Ergebnis ist keine Zahl, sondern eine Verteilung: Wie viele Startfenster tragen bis zum Planende, welches Fenster war das schlechteste, wie viel bleibt im mittleren Fenster übrig.

Sind 106 historische Fenster nicht auch nur Vergangenheit?

Ja, und das ist der Punkt. Historische Szenarien versprechen nicht, dass die Zukunft so wird; sie zeigen, was ein Plan in 55 Jahren echter Marktgeschichte ausgehalten hätte, inklusive Ölkrise, Dotcom-Crash, Finanzkrise und Inflationsjahren. Ein Plan, der jedes dieser Fenster überstanden hat, ist nicht sicher. Er ist belastbar, und das ist der ehrlichere Maßstab.

Brauche ich Pro schon in der Ansparphase?

Weniger dringend. Wer noch zwanzig Jahre spart, dessen Ergebnis wird von der Sparrate dominiert; die Reihenfolge der Jahre mittelt sich aus. Ab etwa zehn Jahren vor dem Ruhestand kippt das: Das Depot ist groß, die Sparrate klein, und die Jahre um den Rentenstart entscheiden. Spätestens dann lohnt der Blick durch die Fenster.

Zum Weiterlesen

Quellen und Grundlagen

  • Bengen, W. P. (1994): Determining Withdrawal Rates Using Historical Data, Journal of Financial Planning. Erste Entnahmestudie über rollierende historische Startjahre statt Durchschnittsrenditen.
  • Milevsky, M. A. & Abaimova, A. (2006): Risk Management During Retirement, in: Retirement Income Redesigned, Bloomberg Press. Renditereihenfolge-Risiko als eigenständige Risikoquelle der Entnahmephase.
  • Pfau, W. D. (2017): How Much Can I Spend in Retirement?, Retirement Researcher Media. Kapitel zu Durchschnittsrendite, Volatilität und der Lücke zwischen erwarteter und erlebter Rendite.
  • Deutsche Bundesbank, Zeitreihen-Datenbank. Deutsche Kapitalmarkt- und Verbraucherpreisreihen seit 1971 (Datenbasis der historischen Szenarien in Vermögenskurve).
  • Vermögenskurve, So rechnen wir. Datenbasis, rollierende Fenster und Steuermodell hinter beiden Rechenmodi.
Werkzeug, kein Ratgeber. Vermögenskurve ist ein Rechenwerkzeug: Es empfiehlt kein Finanzprodukt und keine Strategie und verdient an keinem Finanzprodukt mit. Dieser Artikel ist allgemeine Information, keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Historische Verläufe sind keine Prognose.

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