Vermögenskurve

So rechnen wir: Datenbasis, Steuermodell und Methode hinter Vermögenskurve

Ein Rechner, den Du nicht prüfen kannst, ist eine Blackbox. Hier steht, womit Vermögenskurve rechnet, nach welchen Regeln, und wo das Modell bewusst vereinfacht.
Von Andreas von Vermögenskurve, seit über 20 Jahren in der Asset-Management-Branche
Stand: Oktober 2026 · Lesezeit ca. 11 Min. · Alle Artikel
Das Wichtigste in Kürze
  • Vermögenskurve rechnet nicht mit gewürfelten Zukünften, sondern mit echter Marktgeschichte: einer deutschen Reihe seit 1971 (Quartale, sechs Anlageklassen, deutsche Inflation) und einer US-Reihe seit 1871 (Monate, vier Anlageklassen: Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Kasse).
  • Jedes historische Startquartal ist ein eigenes Szenario. Dein Plan läuft durch alle davon; Du siehst das beste, das mittlere und die schlechten Ergebnisse, nicht nur einen Durchschnitt.
  • Das Steuermodell folgt deutschem Recht: Abgeltungsteuer mit Teilfreistellung, Vorabpauschale, progressive Einkommensteuer in beiden Phasen (auf Renten, Mietüberschuss und Einmalzahlungen), Besteuerungsanteil der gesetzlichen Rente, Kranken- und Pflegebeiträge auf Renten.
  • Das Modell hat Grenzen, und wir nennen sie: Jahresschritte, kein Ehegattensplitting, konstanter Basiszins. Vergangenheit ist keine Prognose.
  • Jede Rechnung ist deterministisch: dieselben Eingaben ergeben dasselbe Ergebnis. Du kannst alles ohne Konto nachrechnen.

Die kurze Antwort: Vermögenskurve nimmt Deinen Plan (Vermögen, Sparraten, Renten, Immobilien, Kredite, Entnahmen) und lässt ihn Jahr für Jahr durch echte Marktphasen laufen, mit deutschen Steuerregeln und deutscher Inflation. Nicht einmal, sondern für jedes Startquartal seit 1971. Das Ergebnis ist keine Zahl, sondern eine Verteilung: Wie oft hätte das Geld gereicht, wie viel wäre übrig geblieben, und in welchen historischen Phasen wäre es knapp geworden. Dieser Artikel erklärt die Bausteine dieser Rechnung so, dass Du sie prüfen kannst.

Warum wir das offenlegen

Die meisten Finanzrechner zeigen Dir ein Ergebnis und verschweigen den Weg dorthin. Das ist bequem, aber wertlos, sobald das Ergebnis überrascht: Warum 71 Prozent? Warum reicht das Geld im einen Szenario bis 95 und im anderen nur bis 78? Ohne die Methode zu kennen, kannst Du weder zustimmen noch widersprechen, Du kannst nur glauben.

Wir halten das für den falschen Umgang mit einer Entscheidung, die Dein restliches Leben betrifft. Deshalb steht hier, welche Daten wir verwenden, welche Regeln gelten und wo wir vereinfachen. Nicht jede Zeile des Rechenkerns (die ist unser Arbeitsergebnis aus mehr als einem Jahr Entwicklung), aber jedes Prinzip, jede Datenquelle und jeder Parameter, den Du brauchst, um eine Zahl in der App einzuordnen.

Zwei Datenreihen, ein Prinzip

Vermögenskurve rechnet auf zwei sich ergänzenden historischen Reihen. Beide bestehen aus echten Renditen und echter Inflation, nicht aus Annahmen.

Die deutsche Reihe: seit 1971, in D-Mark und Euro

Die Hauptreihe umfasst 217 Quartale vom dritten Quartal 1971 bis zum dritten Quartal 2025. Sie enthält sechs Anlageklassen, die Du in der App gewichtest: deutsche Aktien (DAX), europäische Aktien (MSCI Europe), globale Aktien (MSCI World), deutsche Staatsanleihen (REXP), Geldmarkt und Gold. Die Aktienindizes rechnen mit Dividenden, in D-Mark beziehungsweise Euro, so, wie ein Anleger in Deutschland sie erlebt hätte. Dazu kommt der deutsche Verbraucherpreisindex Quartal für Quartal, damit jedes Ergebnis in heutiger Kaufkraft ausgewiesen werden kann.

Für Wohnimmobilien nutzen wir eine separate Reihe: den Wohnimmobilien-Preisindex der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) für Deutschland, ebenfalls seit 1971. Eine selbstgenutzte oder vermietete Immobilie in Deinem Plan folgt damit der tatsächlichen deutschen Preisentwicklung des jeweiligen Szenarios, nicht einer Wachstumsannahme.

Warum erst ab 1971? Weil erst ab dann durchgehende Quartalsdaten für alle sechs Klassen in vergleichbarer Qualität vorliegen. Die Reihe beginnt damit ausgerechnet vor der schwierigsten Phase der Nachkriegsgeschichte: Ölkrise, Stagflation, ein Jahrzehnt mit realen Aktienverlusten. Das ist für einen Ruhestandsplaner kein Nachteil, sondern der eigentliche Härtetest.

Die US-Reihe: seit 1871, Monat für Monat

Die zweite Reihe stammt im Kern aus dem Datensatz von Robert Shiller: monatliche Gesamtrenditen des S&P 500 und zehnjähriger US-Staatsanleihen seit Februar 1871, dazu die US-Verbraucherpreise. Seit September 2026 kommen zwei Reihen auf derselben Monatsachse hinzu: ein breit gestreuter Rohstoffkorb (AQR „Commodities for the Long Run“ ab 1877, davor Großhandelspreise, zuletzt der Bloomberg Commodity Index) und Kasse (3-Monats-Schatzwechsel ab 1934, davor erstklassige Handelswechsel abzüglich des gemessenen Zinsaufschlags). Warum ein Rohstoffkorb und nicht Gold wie in der deutschen Reihe? Weil der Goldpreis in Dollar von 1871 bis 1971 gesetzlich fixiert war und erst seitdem ein Marktpreis ist; genau ab dann nutzt ihn die deutsche Reihe. Damit lässt sich jede deutsche Allokation eins zu eins auf die US-Reihe übertragen: Aktien, Anleihen, Gold → Rohstoffe, Kasse. Das sind über 150 Jahre und rund 1.860 Monate: deutlich mehr Fenster als in der deutschen Reihe, mit Ereignissen, die Deutschland in dieser Form nicht in seinen Daten hat: die Große Depression ab 1929, die Kriegsjahre, die Große Inflation der 1960er und 1970er.

Die US-Reihe rechnet in US-Dollar und kennt keine deutsche Inflation. Sie eignet sich deshalb weniger als Abbild Deines konkreten Depots, aber hervorragend als Stresstest: Hält Dein Plan auch Verläufe aus, die es in 55 Jahren deutscher Daten nicht gab?

Welche Reihe wofür

Für eine Rentenphase von 30 Jahren sind 55 Jahre deutsche Daten völlig ausreichend: Jedes Startquartal seit 1971 ergibt ein vollständiges Fenster, und die Reihe enthält die Stagflation der 1970er, den Crash von 1987, die Dotcom-Jahre, die Finanzkrise 2008 und die Nullzinsjahre danach. Für eine sehr lange Rentenphase oder eine sehr lange Ansparphase ist der US-Datenmodus die gute Alternative: über 150 Jahre und deutlich mehr Fenster, mit Krisen, die die deutsche Reihe nicht kennt. Wer beide Reihen nacheinander nutzt, sieht seinen Plan aus zwei Blickwinkeln.

Rollierende Fenster: jedes Startquartal ist ein Szenario

Ein Plan über 30 Jahre wird nicht einmal gerechnet, sondern für jedes mögliche Startquartal der Reihe. Aus 217 Quartalen und einer Planlänge von 30 Zahlungsjahren (120 Quartale) ergeben sich 98 Fenster: Start im dritten Quartal 1971, Start im vierten Quartal 1971, und so weiter bis zum letzten Startquartal, das noch 30 volle Jahre Daten vor sich hat. Jedes Fenster ist ein vollständiger Durchlauf Deines Plans mit den Renditen und der Inflation, die damals tatsächlich folgten.

Die App ordnet die Fenster nach ihrem Marktverlauf. Maßstab ist ein fester Entnahmebetrag in Höhe Deiner ersten Entnahme, ohne Strategie, und sein reales Endvermögen je Fenster; so hängt die Reihenfolge der Fenster nicht von der gewählten Strategie ab. Gezeigt werden fünf davon: das beste, der Median, das Fenster bei 10 Prozent, das bei 5 Prozent und das schlechteste, und Dein Plan läuft mit seiner Strategie auf genau diesen Fenstern. Die Pleitequote ist der Anteil der Fenster, in denen das Depot vor dem Planende aufgebraucht war. In der Karte „Endvermögen je Startjahr“ im Tab Szenarien siehst Du jedes einzelne Fenster mit seinem Startjahr. Du kannst also nachschauen, welche historische Phase Deinen Plan gekippt hätte, nicht nur, dass es eine gab.

Alle Ergebnisse sind standardmäßig real, also in heutiger Kaufkraft, berechnet mit der tatsächlichen Inflation des jeweiligen Fensters. Ein Fenster, das 1972 startet, trägt die Inflation der 1970er in sich; eines, das 2009 startet, die Nullzinsjahre. Auf Wunsch schaltest Du auf nominale Euro-Beträge um.

Warum wir historische Fenster einer Monte-Carlo-Simulation vorziehen, und was Monte Carlo besser kann, steht ausführlich in Monte-Carlo-Simulation oder historische Szenarien?. Kurz: Historische Fenster enthalten die Häufung schlechter Jahre und das Zusammenspiel von Kursen und Inflation automatisch, weil jede Zahl wirklich passiert ist.

Ergänzend gibt es das Historische Szenario (Anzeige-Box, USA-Daten): ein einzelnes, durchgehendes Fenster der US-Reihe, verankert an einem historischen Ereignis: vom Ersten Weltkrieg 1914 über die Große Depression 1929, die Ölkrise 1973 und die Dotcom-Jahre bis zur Finanzkrise ab September 2008 und Covid 2020, zehn Ereignisse insgesamt. Damit siehst Du nicht nur eine Verteilung, sondern eine konkrete Geschichte: So wäre es Deinem Plan ergangen, wenn Du im Herbst 2008 in Rente gegangen wärst.

Was in einem Planjahr passiert

Der Rechenkern arbeitet in Jahresschritten, vom heutigen Alter bis zum Planende. In jedem Jahr fließen zuerst die Einkünfte: Gehalt in der Ansparphase, später gesetzliche Rente, Betriebsrente, private Vorsorge, Mietüberschüsse nach Anlage V (die AfA wieder zugerechnet, weil sie nur die Steuer mindert, nicht das Geld). Von den Renten gehen Kranken- und Pflegebeiträge ab, bevor Steuern gerechnet werden. Dann stellt der Kern Deinen Bedarf gegen das verfügbare Einkommen: Was fehlt, wird nach der gewählten Strategie aus dem Depot entnommen; was übrig ist, wird gespart. Auf das Depot wirkt zuerst die Rendite des Jahres aus dem jeweiligen Fenster, inklusive Fondskosten; die Entnahme oder der Sparbetrag wird am Jahresende gebucht, danach Abgeltungsteuer auf realisierte Gewinne und Vorabpauschale, und das nächste Jahr beginnt. Diese Jahresend-Regel gilt für jede Buchung, auch für einen Immobilienverkauf oder eine Erbschaft.

Das ist bewusst grob beschrieben. Innerhalb dieses Rahmens gibt es Dutzende Detailregeln: Reihenfolge von Verkäufen, Kostenbasis nach einem Teilverkauf, die Jahresend-Regel für jede Buchung, auch für einen Immobilienverkauf zum Rentenbeginn. Sie sind das Ergebnis von fast 2.000 Versionen und Hunderten Testfällen, und sie sind der Grund, warum die App in Randfällen anders rechnet als eine Tabellenkalkulation. Diese Regeln veröffentlichen wir nicht im Einzelnen; die Prinzipien und Parameter, nach denen sie arbeiten, stehen hier.

Das Steuermodell: welche Regeln gelten

Der Unterschied zwischen einem brutto und einem netto gerechneten Ruhestand liegt in Deutschland schnell bei einem Fünftel des Einkommens. Deshalb rechnet Vermögenskurve netto, nach folgenden Regeln, jeweils mit ihrer gesetzlichen Grundlage:

  • Abgeltungsteuer (§ 20, § 32d EStG): 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 Prozent, auf den Gewinnanteil jeder Entnahme. Kirchensteuer optional mit 8 oder 9 Prozent, die die Abgeltungsteuer selbst nach § 32d mindert.
  • Teilfreistellung (§ 20 InvStG): 30 Prozent für Aktienfonds, 15 Prozent für Mischfonds, 60 Prozent für Immobilienfonds, 0 Prozent für Einzeltitel, Anleihen, Zertifikate, Rohstoff-ETCs und Geldmarkt. In der Tabelle Struktur & Steuern gibst Du je Anlageklasse an, welcher Anteil in Fonds mit 30 oder 15 Prozent Teilfreistellung liegt; daraus leitet die App die mittlere Teilfreistellung ab.
  • Vorabpauschale (§ 18 InvStG): jährliche Mindestbesteuerung thesaurierender Fonds auf Basis des Basiszinses. Langfristig setzen wir 2,5 Prozent an; für 2026 hat das Bundesfinanzministerium 3,20 Prozent festgelegt, den höchsten Wert seit Einführung. In Verlustjahren entfällt die Vorabpauschale; gezahlte Beträge werden beim späteren Verkauf angerechnet. Ausschüttende Fonds, Einzelaktien und Gold zahlen keine.
  • Sparerpauschbetrag: 1.000 Euro für Einzelpersonen, 2.000 Euro für Verheiratete, jedes Jahr neu.
  • Einkommensteuer in beiden Phasen (§ 32a EStG in der für 2026 geltenden Fassung): progressiver Tarif mit Grundfreibetrag von 12.348 Euro, Solidaritätszuschlag mit der Freigrenze von 20.350 Euro, optional Kirchensteuer; in der Rente auf Renten, Mietüberschuss und Einmalzahlungen, in der Ansparphase auf den Mietüberschuss, gerechnet aus dem zu versteuernden Einkommen Deines Steuerbescheids (Steuer mit und ohne Überschuss, die Differenz ist die Steuer auf die Miete). Der Tarif wächst mit der Inflation des Plans: Grundfreibetrag, Zonengrenzen und Soli-Freigrenze steigen Jahr für Jahr mit, so wie der Gesetzgeber sie seit 2016 fast jährlich nachzieht; ohne diese Regel würde die Steuer auf eine Rente in heutiger Kaufkraft über 30 Jahre scheinbar auf das Doppelte steigen, nur weil die Zahlen nominal wachsen. Fest in Euro bleiben Rentenfreibetrag, Pauschbeträge und die Freibeträge Deines Jahrgangs.
  • Pauschbeträge und Freibeträge der Rentner (§ 9a, § 10c, § 24a, § 19 Abs. 2 EStG): 102 Euro Werbungskosten auf Renten und auf Versorgungsbezüge, 1.230 Euro Arbeitnehmer-Pauschbetrag auf Lohn, 36 Euro Sonderausgaben-Pauschbetrag; der Altersentlastungsbetrag ab dem Jahr nach dem 64. Geburtstag auf Riester, AV-Depot, Betriebsrenten aus Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds, Sonstige, Lohn und den positiven Mietüberschuss (Satz und Höchstbetrag nach dem Jahr des 65. Geburtstags, lebenslang fest, ab Jahrgang 1993 null); der Versorgungsfreibetrag mit Zuschlag für Betriebsrenten aus Direktzusage, Unterstützungskasse oder Beamtenpension (nach dem Jahr des Rentenbeginns, lebenslang fest). Keine Eingabe nötig, der Durchführungsweg der Betriebsrente ist eine Wahl im Abschnitt bAV.
  • Arbeit im Ruhestand (§ 19, § 3 Nr. 21 EStG, § 248 SGB V): Lohn aus einer Anstellung ist bis zur Regelaltersgrenze voll steuerpflichtig und trägt Kranken- und Pflegebeiträge (ermäßigter Satz, solange eine gesetzliche Rente fließt) sowie Renten- und Arbeitslosenversicherung; ab der Regelaltersgrenze, auf volle Jahre aufgerundet, bleiben 2.000 Euro im Monat steuerfrei (Aktivrente, seit 2026), Renten- und Arbeitslosenversicherung entfallen. Selbständige zahlen Kranken- und Pflegebeiträge allein zum vollen allgemeinen Satz und bekommen keine Aktivrente; ein Minijob bis 603 Euro im Monat ist für Dich steuer- und abgabenfrei. Die Beiträge mindern die Steuer im Planer nicht, Rentenpunkte aus dem Job und der Übergangsbereich (Midijob) bleiben außen vor.
  • Besteuerungsanteil der gesetzlichen Rente (§ 22 EStG): abhängig vom Jahr des Rentenbeginns, nach der Kohortentabelle des Alterseinkünftegesetzes in der Fassung des Wachstumschancengesetzes: 100 Prozent für Rentenbeginn ab 2058. Riester, AV-Depot, Sonstige und Betriebsrenten aus Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds werden nachgelagert voll besteuert; Betriebsrenten aus Direktzusage oder Unterstützungskasse sind Versorgungsbezüge mit Versorgungsfreibetrag (siehe oben).
  • Kranken- und Pflegeversicherung: in der Krankenversicherung der Rentner Beiträge auf gesetzliche Rente und Betriebsrente (für die Betriebsrente mit dem Freibetrag von 197,75 € im Monat, die Pflegeversicherung ab dem ersten Euro); wer vor der gesetzlichen Rente aufhört oder die 9/10-Regel verfehlt, zahlt als freiwillig Versicherter den vollen Satz auch auf Kapitalerträge der Entnahmen, Mieten und Privatrenten, mit Mindestbemessung und Beitragsbemessungsgrenze. Pflegezuschlag für Kinderlose. Bei privater Versicherung zieht der Planer keine Beiträge ab, die Prämie gehört dann in Deinen Bedarf; aus Deinem heutigen Gesamtbeitrag rechnet der Planer den steuerfreien Zuschuss der Rentenversicherung (8,75 Prozent der gesetzlichen Rente, höchstens die halbe Prämie, § 106 SGB VI; ab der ersten gesetzlichen Rente, auf Antrag auch neben einem Job) und den Sonderausgabenabzug für den Grundschutz (80 Prozent des Beitrags minus Zuschuss, § 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG) (Krankenversicherung zwischen Job und Rente).
  • Immobilien: Grundsteuer als jährliche Ausgabe, Transaktionskosten beim Verkauf, selbstgenutzte Immobilien steuerfrei; vermietete Immobilien mit Mietüberschuss und AfA nach Anlage V (§ 21, § 7 Abs. 4 und 5a EStG): die AfA ist ein fester Euro-Betrag, endet nach 50, 40 oder 34 Jahren (degressiv: 5 Prozent vom Restwert, jedes Jahr weniger) und mindert nur die Steuer, nicht das Geld.
  • Gold: nach zwölf Monaten Haltedauer steuerfrei; keine Vorabpauschale. Rohstoffe: als Fonds mit Vorabpauschale, als ETC ohne.
  • Fondskosten (TER) mindern die Rendite direkt und erscheinen deshalb nicht noch einmal unter Steuern und Kosten; ein zweiter Abzug wäre eine Doppelzählung.

Alle Freibeträge, Tarife und Sätze tragen ihr Jahr. Wenn sich das Recht ändert, ändern wir den Parameter, nicht die Methode, und vermerken es auf der Seite „Neue Features".

Entnahmestrategien: was jede Regel tut

Wie viel Du in einem Jahr entnimmst, bestimmt eine Regel, die Du wählst. Die App kennt sechs, und jede ist in der Literatur dokumentiert:

  • Fixbetrag, real oder nominal: ein fester Betrag, wahlweise jährlich mit der Inflation des Fensters angehoben. Die Regel der 4-Prozent-Studien.
  • Prozentual: ein fester Anteil des jeweiligen Depotwerts. Kann nicht pleitegehen, schwankt aber mit dem Markt.
  • Leitplanken nach Guyton und Klinger (2006): ein Korridor um die Start-Entnahmequote; läuft die Quote heraus, wird um etwa 10 Prozent gekürzt oder um 5 Prozent erhöht. Greift selten, dann deutlich.
  • Leitplanken Flex nach dem Modell des dynamischen Ausgebens von Vanguard: jährliche Anpassung in kleinen Schritten, begrenzt durch eine Ober- und Untergrenze, die Du selbst setzt. Der Vergleich beider Varianten steht in Leitplanken oder Leitplanken Flex?.
  • Fallschirm: eine Kasse für drei bis zehn Jahre Deines Bedarfs, die zum Rentenbeginn aus dem Depot befüllt wird, sich zum Geldmarktzins des jeweiligen Fensters verzinst und zuerst verbraucht wird; das Depot bleibt in den gefährlichen ersten Rentenjahren unangetastet.
  • VPW (Variable Percentage Withdrawal, Bogleheads): ein Prozentsatz, der mit dem Alter steigt und so bemessen ist, dass das Depot zum Planende aufgebraucht ist, oder ein von Dir gesetztes Ziel-Endvermögen übrig bleibt.

Alle sechs laufen durch dieselben Fenster und dieselbe Steuerlogik; der Strategie-Vergleich in der App stellt sie auf demselben Fenster nebeneinander, dem Fenster des Szenarios, das Du für Deinen Plan gewählt hast, und nennt je Strategie das tiefste Monatseinkommen über alle Fenster. Was die einzelnen Regeln im Ergebnis unterscheidet, zeigt Entnahmestrategien im Vergleich mit Zahlen.

Weitere Bausteine

Lebenserwartung. Das Planende schlägt die App aus der aktuellen Sterbetafel des Statistischen Bundesamts vor (fernere Lebenserwartung ab Deinem heutigen Alter), plus einen Sicherheitspuffer von fünf, zehn oder fünfzehn Jahren, nach Blanchett (2021). Wir fragen kein Geschlecht ab und zeigen beide Werte; Du entscheidest.

Immobilien und Kredite. Jede Immobilie rechnet mit eigenem Wert, eigenem Mietüberschuss, eigenem Kredit und eigenem Verkaufszeitpunkt. Im deutschen Modus folgt ihr Wert der BIS-Preisreihe des Fensters, ergänzt um einen Lageauf- oder -abschlag, den Du setzt. Der Mietüberschuss vor AfA wächst mit der Inflation des Fensters, die AfA bleibt nominal fest und endet nach ihrem Schema. Kredite laufen mit Zins und Tilgung bis zur letzten Rate.

Renten und Vorsorge. Gesetzliche Rente, Betriebsrente, Rürup, Riester, private Rentenversicherungen und ein Altersvorsorge-Depot sind eigene Einkommensströme mit eigenem Startalter, eigener Anpassungsregel und eigener steuerlicher Behandlung. Die gesetzliche Rente wird in Pro mit der Inflation des Fensters fortgeschrieben, wahlweise mit einem Auf- oder Abschlag.

Wo das Modell vereinfacht

Kein Modell ist die Wirklichkeit. Das sind die Stellen, an denen unseres bewusst gröber ist als das Leben:

  • Jahresschritte. Renditen, Steuern und Entnahmen werden pro Jahr verrechnet, nicht pro Monat. Die Quartals- und Monatsdaten werden dafür zu Jahresrenditen zusammengefasst. Innerhalb eines Jahres gibt es kein Timing.
  • Unabhängige Fenster. 94 Fenster zu 31 Zahlungsjahren aus 55 Jahren Daten überlappen sich zu Teilen. Eine Pleitequote von 9 Prozent heißt nicht „9 Prozent Wahrscheinlichkeit", sondern „8 von 94 historischen Startquartalen".
  • Vergangenheit ist keine Prognose. Die Reihen enthalten keine Zukunft. Ein Plan, der jede historische Phase überstanden hätte, kann an einer neuen scheitern.
  • Kein Ehegattensplitting. Die Einkommensteuer in der Rente wird nach dem Grundtarif für eine Person gerechnet. Paare rechnen heute einen gemeinsamen Plan mit einem Tarif; ein Paar-Modus mit Ehegattensplitting ist geplant.
  • Ausschüttende Fonds ohne Vorabpauschale. Das stimmt, wenn die Ausschüttung mindestens den Basisertrag deckt (Basiszins × 0,7; 2026 sind das 2,24% des Fondswerts), also bei Dividendenfonds. Schüttet ein Fonds weniger aus, fällt auf die Differenz eine Vorabpauschale an, die das Modell weglässt: höchstens rund 0,1% des Fondswerts im Jahr, als Vorauszahlung später auf den Gewinn angerechnet.
  • Konstanter Basiszins. Die Vorabpauschale rechnet mit einem festen Basiszins über die ganze Laufzeit, denn die Zukunft können wir auch nicht voraussagen. Du kannst ihn aber selbst einstellen, oder jedes Jahr von uns auf den aktuellen Stand bringen lassen.
  • Geldmarkt als Fonds. Kasse wird steuerlich wie ein thesaurierender Geldmarktfonds behandelt. Wer Tagesgeld hält, zahlt in Wirklichkeit auf Zinsen direkt. Der Unterschied ist minimal.
  • Kirchensteuer vereinfacht. Bei der Einkommensteuer wird sie als einfacher Zuschlag gerechnet; der Sonderausgabenabzug des Folgejahres bleibt außen vor.
  • Kein Verhalten. Das Modell weiß nicht, ob Du im Crash-Jahr wirklich kürzt. Es rechnet die Regel, die Du eingestellt hast.

Versionen und Änderungen

Vermögenskurve wird laufend weiterentwickelt, und Du sollst wissen, mit welchem Stand Du rechnest. Die Versionsnummer der App findest Du, wenn Du über das Logo fährst, und im Quelltext jeder Seite; der Rechenkern auf dem Server trägt eine eigene Nummer. Jede Änderung, auch die kleinste, ist intern mit Datum, Anlass und Begründung protokolliert; die wichtigsten Neuerungen mit dem Datum, seit dem sie live sind, findest Du unter „Neue Features“ im Hilfe-Menü der App.

Einige Parameter haben ein festes Wartungsdatum: den Basiszins der Vorabpauschale legt das Bundesfinanzministerium jeden Januar fest, der Einkommensteuertarif und die Freibeträge ändern sich meist zum Jahreswechsel, die Sterbetafel des Statistischen Bundesamts erscheint jährlich. Diese Werte prüfen wir zu den jeweiligen Terminen und vermerken die Änderung.

So prüfst Du die Rechnung selbst

Der Rechenkern enthält keinen Zufall. Dieselben Eingaben ergeben heute, morgen und auf jedem Gerät dasselbe Ergebnis. Das ist die Voraussetzung dafür, dass Du eine Zahl überhaupt prüfen kannst. Was Du dafür brauchst, ist offen zugänglich:

  • Basis läuft ohne Konto. Der Beispielplan ist mit einem Klick geladen; jeder Regler zeigt sofort, was er verändert.
  • Die Karte „Endvermögen je Startjahr“ zeigt jedes Fenster mit Startjahr und Endvermögen. Wenn die Nicht-Pleite-Quote 91 Prozent zeigt, kannst Du die acht fehlenden Fenster benennen.
  • Die Tooltips an allen Balken und Linien der Charts geben Dir die Rechendetails, die Du zum Nachvollziehen brauchst.
  • Der Strategie-Vergleich und der Entnahme-Check zeigen dieselbe Planung unter verschiedenen Regeln und für das jeweils aktuelle Jahr.
  • Die Erklärung neben jedem Eingabefeld nennt den Parameter, seinen Vorgabewert und seine Quelle.
  • Der PDF-Report hält einen Stand fest, mit Versionsnummer, damit Du ihn später mit einer neueren Rechnung vergleichen kannst.

Dabei bleibt Dein Plan bei Dir: gespeichert nur auf Deinem Gerät, nie auf unseren Servern. Wie Du das im Browser selbst nachprüfst, steht in Finanzplanung ohne Datensammlung.

Was wir bewusst nicht tun

Vermögenskurve empfiehlt keine Finanzprodukte: keine Fonds, keine Versicherungen, keine Depotbank. Das Modell kennt Anlageklassen, keine Anbieter. Es erstellt keine Prognose; jede Zahl ist ein historisches Ergebnis, kein Versprechen. Es simuliert nicht mit Zufallszahlen, aus den Gründen, die oben verlinkt sind. Es verbindet sich nicht mit Deiner Bank, und es speichert Deine Daten nicht. Wie Du Deine Planung umsetzt, entscheidest Du: mit einem Berater, mit Deiner Bank oder allein.

Häufige Fragen

Warum beginnen die deutschen Daten erst 1971?

Weil erst ab dann durchgehende Quartalsdaten für alle sechs Anlageklassen in vergleichbarer Qualität vorliegen: für MSCI-Indizes, deutsche Anleihen und einen frei gehandelten Goldpreis in D-Mark. Frühere Jahre ließen sich nur mit Lücken und Schätzungen füllen, und Schätzungen gehören nicht in eine Reihe, die als „echte Geschichte" verkauft wird. Wer weiter zurück will, nutzt die US-Reihe seit 1871.

Warum Quartale und nicht Monate?

Die deutschen Reihen liegen für alle sechs Klassen verlässlich auf Quartalsbasis vor, nicht auf Monatsbasis. Da der Rechenkern ohnehin in Jahresschritten arbeitet, geht dabei wenig verloren: Vier Quartale ergeben die Jahresrendite genauso wie zwölf Monate. Der Unterschied liegt in der Zahl der Startpunkte: mit Monaten gäbe es dreimal so viele Fenster, die sich aber noch stärker überlappen würden.

Ist das Ergebnis eine Prognose?

Nein. Vermögenskurve zeigt, wie Dein Plan in jeder historischen Marktphase seit 1971 beziehungsweise 1871 abgeschnitten hätte. Das ist ein Stresstest gegen die Vergangenheit, kein Blick in die Zukunft. Ein Plan, der alle Fenster übersteht, ist robust gegen alles, was bisher war; mehr lässt sich aus Daten nicht ablesen.

Warum kann ich im deutschen Modus kein Rentenalter weit in der Zukunft einstellen?

Weil die deutsche Reihe 55 Jahre umfasst und jedes Fenster Deinen Plan von heute bis zum Planende durchrechnen muss. Liegt der Rentenbeginn mehr als 50 Jahre entfernt, gäbe es kein einziges vollständiges Fenster. Die App begrenzt den Abstand deshalb auf 50 Jahre; für sehr lange Ansparphasen steht die US-Reihe mit über 150 Jahren bereit.

Warum keine Monte-Carlo-Simulation?

Weil eine Simulation nur so gut ist wie die Annahmen, die man ihr gibt, und weil einfache Simulationen die beiden Eigenschaften unterschätzen, die für Entnahmepläne entscheidend sind: dass schlechte Jahre gehäuft auftreten und dass schwache Kurse und hohe Inflation oft zusammenfallen. Historische Fenster enthalten beides automatisch. Was Monte Carlo besser kann, steht ehrlich im verlinkten Vergleichsartikel.

Zum Weiterlesen

Quellen und Grundlagen

  • Shiller, R. J., Online Data (monatliche Kurse, Dividenden, Anleihezinsen und Verbraucherpreise der USA seit 1871), Grundlage der US-Reihe.
  • Levine, A., Ooi, Y. H., Richardson, M. & Sasseville, C. (2018): Commodities for the Long Run, Financial Analysts Journal 74(2), AQR-Datensatz (gleichgewichteter Rohstoffkorb ab 1877). Rohstoffreihe der US-Daten; Federal Reserve Bank of St. Louis, FRED / NBER Macrohistory (TB3MS ab 1934, Commercial Paper New York ab 1857, Warren-Pearson-Großhandelspreise ab 1850). Kasse und Rohstoff-Vorlauf 1871–1877; Bloomberg Commodity Index TR. Rohstoffe seit Juni 2025.
  • Deutsche Bundesbank (Zeitreihen-Datenbank) und Statistisches Bundesamt (Verbraucherpreisindex, Sterbetafel 2022/2024). Grundlage der deutschen Reihen ab 1971 und der Lebenserwartungs-Vorschläge.
  • Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Residential Property Prices, Deutschland (FRED-Reihe QDEN628BIS). Wohnimmobilien-Preisentwicklung seit 1971.
  • § 20, § 22, § 32a und § 32d EStG in der für 2026 geltenden Fassung (Steuerfortentwicklungsgesetz, BGBl. 2024 I Nr. 449); § 18 und § 20 InvStG. Vorabpauschale und Teilfreistellung.
  • § 9a, § 10 Abs. 1 Nr. 3, § 10c, § 19 Abs. 2 und § 24a EStG (Pauschbeträge, Sonderausgabenabzug der Krankenversicherung, Versorgungsfreibetrag, Altersentlastungsbetrag) und § 3 Nr. 21 EStG (Aktivrente, Gesetz zur steuerlichen Förderung der Weiterbeschäftigung, seit 2026); § 106 SGB VI (Zuschuss der Rentenversicherung zur Krankenversicherung). Rentner-Steuer und PKV-Zuschuss im Modell seit Oktober 2026; der Tarif folgt der Inflation des Plans (§ 32a EStG, jährliche Anpassung seit 2016).
  • § 21 EStG (Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung) und § 7 Abs. 4 und 5a EStG (Gebäude-AfA: linear 2, 2,5 oder 3 Prozent; degressiv 5 Prozent vom Restwert für Neubauten mit Baubeginn Oktober 2023 bis September 2029). Mietüberschuss und AfA wie in der Anlage V.
  • Bundesministerium der Finanzen. Schreiben vom 13.01.2026, Basiszins zur Berechnung der Vorabpauschale zum 2. Januar 2026 (3,20 Prozent).
  • Guyton, J. T. & Klinger, W. J. (2006): Decision Rules and Maximum Initial Withdrawal Rates, Journal of Financial Planning. Grundlage der Leitplanken-Strategie; Blanchett, D. (2021). Sicherheitspuffer auf die Lebenserwartung.
Werkzeug, kein Ratgeber. Vermögenskurve ist ein Rechenwerkzeug: Es empfiehlt kein Finanzprodukt und keine Strategie und verdient an keinem Finanzprodukt mit. Dieser Artikel ist allgemeine Information, keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Historische Verläufe sind keine Prognose.

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